Was passiert bei einer Knie-TEP im Kniegelenk?
Bei einer Knie-TEP, auch Knieendoprothese genannt, wird das geschädigte Knorpel- und Knochengewebe des Kniegelenkes operativ entfernt und durch Implantate ersetzt. Der Eingriff erfolgt meist aufgrund fortgeschrittener Arthrose (Gelenkverschleiß), einer häufigen Gelenkerkrankung, bei der Gelenkknorpel langsam abgebaut wird. Bringen nicht-operative Maßnahmen keine ausreichende Linderung mehr, so entscheiden sich viele Betroffene für die Arthroskopie, eine minimalinvasive Operation.
Dabei werden nicht nur Knochen bearbeitet, sondern auch Haut, Muskeln, Kapselstrukturen und Bindegewebe durchtrennt. Diese Verletzungen lösen einen komplexen Heilungsvorgang aus. Narbenentwicklung ist dabei grundsätzlich eine normale Reaktion des Körpers.
Narbe nach Knie-OP: normaler Heilungsprozess oder Warnsignal?
Jede Knie-Operation hinterlässt eine Narbe. In den ersten Wochen ist es normal, dass sie:
verhärtet wirkt
druckempfindlich ist
spannt bei Beugung oder Streckung
gerötet oder leicht geschwollen erscheint
Diese Reaktionen entstehen durch Bindegewebszellen, die das verletzte Gewebe stabilisieren sollen. Im Idealfall bildet sich dieses Narbengewebe im Verlauf zurück und passt sich den Bewegungen des Knies an.
Bleibt die Vernarbung jedoch nach der Operation dauerhaft hart oder schmerzhaft, kann sie die Mobilität der Betroffenen beeinträchtigen. In manchen Fällen ist sie Teil einer tieferliegenden Problematik.
Arthrofibrose im Knie: wenn Narbengewebe zur Komplikation wird
Die Arthrofibrose handelt sich um eine überschießende Narbenbildung im oder um das Kniegelenk. Sie kann nach Knie-Operationen auftreten, besonders nach dem Einsetzen einer Knieprothese. In der Fachliteratur wird sie auch als arthrofibrosis after total knee arthroplasty oder stiffness after total knee arthroplasty beschrieben.
Dabei bilden sich vermehrt Narbengewebe und Vernarbungen, welches eine Reihe an Beschwerden auslöst.
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Arthrofibrose: Bei der primären Form ist die übermäßige Narbenentwicklung ohne erkennbare Ursache zu beobachten, während die sekundäre Arthrofibrose häufig als Folge von Entzündungen, Infektionen, wiederholten Operationen oder unzureichender postoperativer Bewegung entsteht.
Typische Symptome bei problematischer Narbenbildung
Betroffene der Arthrofibrose berichten häufig über:
eingeschränkte Beugung trotz Training
zunehmende Steifheit statt Besserung
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Alltag
Probleme beim Treppensteigen
Druck- oder Spannungsgefühl im Bereich der Operationsnarbe
das Gefühl, dass „etwas einklemmt“
Wer Anzeichen einer Arthrofibrose bemerkt oder unsicher ist, sollte früh handeln. Vereinbaren Sie einen Termin bei unserer Physiotherapie – wir helfen, die Mobilität Ihres Knies gezielt zu verbessern.
Wichtig ist: Nicht jede Steifheit bedeutet Arthrofibrose. Studien zeigen, dass vor allem der zeitliche Verlauf entscheidend ist. Wird die Mobilität trotz Therapie schlechter oder stagniert sie über Wochen, sollte eine Abklärung in der Orthopädie erfolgen.
Warum entsteht überschießende Narbenbildung?
Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Klinisch relevant sind jedoch mehrere Faktoren:
ausgeprägte Entzündungsreaktionen nach der Operation
verzögerte oder gestörte Wundheilung
Infektion im Operationsgebiet
längere Immobilisation postoperativ
wiederholte Knie-Operationen
individuelle Reaktion des Gewebes
Studien haben gezeigt, dass auf zellulärer Ebene Myofibroblasten und Wachstumsfaktoren eine Rolle spielen, die zur übermäßigen Bildung von vernarbtem Gewebe beitragen. Diese Prozesse laufen unkontrolliert ab und sind von außen nicht sichtbar.
Diagnostik: Wie wird eine Arthrofibrose erkannt?
Die Diagnose ist überwiegend klinisch. Der Orthopäde beurteilt:
Beweglichkeit des Knies
Schmerzverhalten
Verlauf seit der Knie-OP
Funktion im Alltag
Bildgebende Verfahren wie MRT oder Computertomographie können ergänzend eingesetzt werden, um andere Komplikationen wie Lockerung der Prothese oder Infektion auszuschließen. Eine Gelenkspiegelung (arthroskopische Untersuchung) dient eher therapeutischen Zwecken.
Konservative Therapie: Was hilft bei Narbenproblemen nach Operation?
In vielen Fällen ist ein konservativer Therapieplan sinnvoll, besonders frühzeitig.
Physiotherapie als zentrale Maßnahme
Physiotherapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit im Gelenk zu erhalten oder wiederherzustellen, ohne das Gewebe zu überreizen. Wichtig sind:
dosierte Mobilisation
gezielte Dehnreize
physiotherapeutische Narbenbehandlung
Trainingstherapie zur funktionellen Stabilität
Zu aggressive Maßnahmen können kontraproduktiv sein und den Heilungsprozess stören.
Jetzt handeln: Vereinbaren Sie einen Termin bei unserer Physiotherapie, um individuell abgestimmte Maßnahmen zu erhalten und die Mobilität Ihres Knies gezielt zu verbessern.
Ergänzende Maßnahmen
Je nach Situation kommen infrage:
Lymphdrainage bei Schwellung
entzündungshemmende Maßnahmen
kurzfristiger Einsatz von Kortison oder Prednisolon nach ärztlicher Einschätzung
Anpassung der Belastung im Alltag
Ziel ist Linderung, nicht Provokation.
Wann ist ein operatives Vorgehen notwendig?
Wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und weiterhin deutliche Mobilitätseinschränkungen bestehen, kann ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden. Dazu gehören unter anderem:
arthroskopische Narbenlösung
Manipulation unter Narkose
in seltenen Fällen Revision der Knieprothese
Solche Behandlungen sollten immer von erfahrenen orthopädischen Chirurg:innen durchgeführt werden. Wir empfehlen, gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam sorgfältig abzuwägen, ob und wann ein operativer Schritt sinnvoll ist, um die beste langfristige Gesundheit Ihres Knies zu sichern.
Haltbarkeit der Knieprothese und Narbenproblematik
Narbenprobleme beeinflussen die Haltbarkeit der Knieprothesen meist nicht direkt. Allerdings kann eine dauerhaft eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit die Lebensqualität deutlich senken und den funktionellen Nutzen des künstlichen Gelenks einschränken.
Deshalb gilt: Früh reagieren, statt abwarten.
Fazit: Narbenveränderungen richtig einordnen
Eine Operationsnarbe nach einer Knieprothese ist normal. Probleme entstehen erst, wenn sich Narbengewebe verselbstständigt und die Funktion des Kniegelenks beeinträchtigt. Arthrofibrose ist selten, aber relevant – und vor allem früh gut beeinflussbar.
Wer nach einer Knie-Operation anhaltende Steifheit, Schmerzen oder zunehmende Bewegungseinschränkungen bemerkt, sollte das ernst nehmen. Eine strukturierte orthopädische und physiotherapeutische Betreuung kann helfen, die Lebensqualität zurückzugewinnen: ohne vorschnell operativ einzugreifen.
Nächster Schritt
Haben Sie nach einer Knie-TEP weiterhin Schmerzen, Spannungsgefühle oder Bewegungseinschränkungen?
Vereinbaren Sie ein Erstgespräch bei uns. Wir schätzen Ihre Situation fachlich ein und zeigen Ihnen gezielte Möglichkeiten zur Verbesserung Ihrer Kniebeweglichkeit.





